Die Geschichte
des ASV-Altenkessel
von 1986 bis 2026
Ein Sonntagnachmittag, der alles veränderte
An einem Sonntagnachmittag im Mai des Jahres 1986 trafen sich auf Initiative von Hartmut Bickendorf sechs Altenkesseler Angler im Gasthaus „Alte Kinoklause“ (heute „Zum Knegges“). Der Termin um 13:30 Uhr war kein Zufall: Da das Gasthaus sonntags zwischen 14 und 16 Uhr geschlossen war, blieben den Gründern nur zweieinhalb Stunden Zeit, um alle Formalitäten zu klären – und genau in diesem knappen Zeitfenster wurde der Anglersportverein Altenkessel aus der Taufe gehoben.
Die ersten Ämter wurden noch am selben Nachmittag verteilt:
- Hartmut Bickendorf – 1. Vorsitzender
- Norbert Dahmen – 2. Vorsitzender
- Hans Thiel – Schriftführer
- Ewald Anton sen. – Kassierer
- Helmut Wahlster sen. – Gewässerwart
- Peter Tobinski - Beisitzer
Das Gründungsprotokoll wurde auf einem einfachen Zettel festgehalten,
der Mitgliedsbeitrag auf 5,00 DM im Monat festgelegt.
Die ersten Jahre – Angeln ohne eigenes Gewässer
Von nun an wurden laufend neue Mitglieder aufgenommen. Man traf sich weiterhin im „Knegges“, im Winter in der benachbarten Eisdiele – deren italienische Betreiber verbrachten, wie damals üblich, die kalten Monate in ihrer Heimat.
Einen eigenen Weiher besaß der junge Verein noch nicht. Also fuhr man gemeinsam zu umliegenden Weiheranlagen oder unternahm ganze Ausflüge, etwa nach Puttelange-aux-Lacs in Frankreich. Jeder Teilnehmer brachte etwas zur Verpflegung mit – schon damals verstand man es, jede Angelveranstaltung mit einem gemütlichen Beisammensein ausklingen zu lassen.
1987 fand das erste Königsfischen des ASV-Altenkessel an der Weiheranlage des ASV Luisenthal statt.
Erster Fischerkönig war Roland Thome.
Der Traum vom eigenen Weiher
Natürlich wollte der Verein bald ein eigenes Gewässer. Im Alsbachtal betrieb Werner Roth eine Bullenzuchtanlage und war bereit, einen Teil seines Grundstücks zu verkaufen. Die Feuchtwiese mit mehreren Quellen schien ideal – schon beim ersten Spatenstich bildeten sich kleine Pfützen, ein gutes Zeichen für einen Fischweiher. Auch ein Stromanschluss und eine Baugenehmigung waren bereits vorhanden.
Doch die untere Naturschutzbehörde, vertreten durch Werner Diesel und Christiane Krajewski, lehnte das Vorhaben ab: Auf dem Grundstück standen geschützte Schwarzerlen, außerdem sollte dort der ebenfalls geschützte Eisvogel heimisch sein. Bis heute gibt es an dieser Stelle keinen Fischweiher – und bis heute wird bezweifelt, wovon sich der Eisvogel dort hätte ernähren sollen.
Der Frommersbach – eine neue Chance
Frau Krajewski schlug daraufhin vor, ein ökologisch totes Tal am Frommersbach herzurichten. Das Gelände gehörte der Grube Luisenthal und damit den Saarbergwerken und wurde von Ali Zait (dem Vater unseres heutigen Gewässerwartes Hermann Zait) als Garten bewirtschaftet. Familie Zait sah deswegen einem Fischteich mit gemischten Gefühlen entgegen. Mit Karl Raubuch, dem Betriebsratsvorsitzenden der Grube Luisenthal, und Willi Pauli, Mitglied im Aufsichtsrat der Saarbergwerke in Saarbrücken, fand der Verein zwei wichtige Fürsprecher.
Der ASV-Altenkessel bot an, die Bachpatenschaft für den Frommersbach zu übernehmen. Im Gegenzug dafür konnte der ASV das Gelände bereits nutzen und ab 01.07.1988, nun unter dem Vorsitz von Stefan Grandmontagne, für 500 DM (netto)/Jahr von den Saarbergwerken pachten.
Der Bau beginnt
Karl Raubuch stellte LKW der Grube zur Verfügung und organisierte den Zugang zur Bergehalde der Saarbergwerke, auf der der Aushub abgeladen werden konnte. Gerhard Speicher, 1. Vorsitzender des ASV Luisenthal und hauptberuflich im Tiefbau tätig, baggerte die Weihergrube aus.
Mit wachsender Mitgliederzahl brauchte der Verein bald auch Mitgliedsausweise, Briefpapier und mehr. Wolfgang Weisenseel organisierte den Druck von Satzung und Briefpapier in der Druckerei der Behindertenwerkstatt der Röchling-Werke in Völklingen.
Als erstes Vereinsheim diente ein ausgedienter grüner Bauwagen, der für 300 DM erworben und hergerichtet wurde, dazu einige Bierzeltgarnituren. Von da an lief der Getränke- und Speisenverkauf – und der Verein verdiente das dringend benötigte Geld für den Weiherbau. Der grüne Bauwagen hat inzwischen zwar seinen Platz gewechselt, steht aber bis heute auf dem Vereinsgelände und leistet gute Dienste.
Am 23.11.1990 erhielt der Verein auch die Genehmigung gegen eine Jahresgebühr von 50 DM (netto), das bis dato illegal entnommene Wasser für den Weiher aus dem Frommersbach nun legal zu entnehmen.
Rückschläge und Durchhaltevermögen
Nachdem die Weihergrube ausgehoben war, bauten die Mitglieder den ersten Mönch aus gespendeten Kanalringen – und endlich hieß es „Wasser marsch“. Doch der Weiher füllte sich nicht wie erhofft: Der Untergrund bestand größtenteils aus Schlacke und wurde einfach nicht dicht.
Ein Mitglied des befreundeten ASV Püttlingen, von Beruf Teichbaumeister, wurde zurate gezogen. Fortan karrten die Mitglieder LKW-weise Lehm vom Aushub des Straßen- und Hausbaus heran und dichteten die Grube in Handarbeit ab. Damals wie heute waren es meist nur fünf bis acht engagierten Mitglieder, und immer dieselben, die diese Arbeiten stemmten.
Nach rund fünf Tagen war der abgedichtete Weiher endlich vollgelaufen, und die ersten Fische konnten eingesetzt werden. Die Freude währte jedoch nicht lange: Im Jahr 2009 verlor der Weiher abermals Wasser, und diesmal erwies sich der Mönch selbst als Ursache. Alle Fische mussten wieder heraus und wurden vorübergehend in anderen Weihern „zur Untermiete“ untergebracht. Der Weiher wurde erneut abgelassen, ein neuer Mönch gebaut – diesmal in Betonschalung und von unten einbetoniert. So steht er noch heute, überdacht vom vereinseigenen Entenhaus. Bei diesen Arbeiten wurde allerdings die Lehmabdichtung erneut beschädigt, sodass noch einmal Lehm herangeschafft werden musste.
Das Vereinsheim und der ASV-Altenkessel heute
Im Jahr 1991 konnte endlich auch mit dem Bau des heutigen Vereinsheimes begonnen werden, das im Laufe der Jahre immer weiter erweitert wurde. 1995 gelang es dem ASV, unter dem Vorsitz von Ewald Anton sen., dann endlich das Gelände mit einer Größe von 4.107 qm zu einem Kaufpreis von 16.428 DM zu erwerben. Hierzu musste der noch junge Verein ein Darlehen aufnehmen, welches mittlerweile getilgt ist.
Aus sechs Gründungsmitgliedern und einem geliehenen Angelplatz ist eine Weiheranlage mit einem schönen Vereinsheim geworden – das Ergebnis von 40 Jahren Zusammenhalt, Tatkraft und gemeinsamer Leidenschaft für das Angeln.
Quellen:Hartmut Bickendorf, Helmut Wahlster jun., Aktenlage
Fotos: ASV-Altenkessel, Hermann Zait
Text: Helmut Christ




















